Der Baubeginn der Sparrenburg liegt zwischen dem Ende des zwölften und der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts. Im Verlauf ihrer Geschichte wurde sie mehrfach umgebaut bzw. erweitert. Nicht auszuschließen ist eine Holz-Erde-Konstruktion als Vorgängerbau. Wie damals üblich bestand die Anlage aus einem Turm, dem Bergfried, und einer Vor- sowie Hauptburg (Abb.1). Beide Bereiche wurden durch den mittig stehenden
Aufgrund der Entwicklung von Feuerwaffen und damit der Artillerie wurde die Burg ab 1535 zur Festung um- bzw. ausgebaut. Zunächst erweiterte man die Burg um einen Geschützturm zur Passseite hin (Abb.2). Er war freistehend und durch eine zweigeschossige Brücke mit der Burg verbunden. Oben gelangte man auf den Geschützturm, in dem gedeckten Gang darunter führte schließlich eine Treppe hinab in den mit Schießscharten versehenen unteren Gefechtsraum, die Kasematte. Der vollständige Ausbau zur Festung (Abb.3) erfolgte schließlich wenig später nach Dürers Befestigungslehre (Albrecht Dürer, 1471 - 1528, "Etliche underricht zu befestigung der Stett, Schloss und flecken", Nürnberg, 1527). An der Nordecke entstand das Kiekstattrondell, das mit dem Geschützturm durch eine neue, vorgelagerte Außenmauer (Kurtine) und ein gemeinsames, bombensicheres Gang- und Raumsystem (Kasematten) verbunden wurde. Aus dem Geschützturm wurde so ein Rondell, oder genauer: eine Bastion. Die Umbaumaßnahmen an der Passseite waren weitestgehend erfolgt. Die Angriffsseite, also die der
Entgegen Dürers Befestigungslehre konnte der Mittelpunkt des Windmühlenrondells auf der Passseite, der ehemalige Geschützturm, nicht mit dem Mittelpunkt des Schusterrondells auf der Angriffsseite verbunden werden: es liegt zu weit von der Westecke der Anlage entfernt. Die italienischen Baumeister Alessandro Pasqualini und Sohn Maximilian behoben diese Schwachstelle durch den Bau einer modernen Bastion, den Scherpentiner. Seinen Namen trägt er nach bestimmten, zum Einsatz geplanten Kanonen, die italienisch Serpentinen, deutsch Feldschlangen hießen. Um die Festung mit erheblich größeren Ausmaßen als die Burg zu realisieren, wurde der Berg wenigstens zum Teil mit Erdreich, Sand und Gestein innerhalb der neuen Mauern aufgeschüttet. An der Passseite enstand mit der nun mehrere Meter nach innen zurück liegenden Burgmauer als Fundament ein größeres Gebäude, dass teilweise auch als Zeughaus gedient haben dürfte. Es bot Zugang zu den beiden Rondellen. Hier finden zurzeit archäologische Grabungen statt. Während des dreißigjährigen Krieges kümmerten sich vor allem verbündete Holländer darum, die Festung um Erdschanzen zu erweitern (Abb.4). Während des Krieges wurden sie einmal von einer abziehenden kaiserlichen Besatzung geschleift, um Jahre später von der gleichen Partei wieder instand gesetzt und genutzt zu werden. Ebenfalls im 17. Jahrhundert, 1670, erhielt die Sparrenburg eine Schlosskapelle. Der bis dahin im Obergeschoss des Burgtorhauses genutzte Raum war zu klein geworden. In der neuen Kapelle fanden nur wenige Jahre regelmäßig Gottesdienste der reformierten Gemeinde statt, dann blieb die Kapelle überwiegend ungenutzt.
Schon Anfang des 19. Jahrhundert entstanden auf dem Gelände wieder neue Gebäude. Die im Bereich der ehemaligen Hauptburg vor dem Windmühlenrondell stehende Mauer ist Rest einer 1805 gebauten Remise, eines Wagenschuppens. Ebenfalls in diesem Jahr entstand auf gleicher Höhe, etwa mittig zwischen den Rondellen, ein als Pulverhaus bezeichnetes Gebäude. Auf der Vorburg beherbergte bis 1877 das frühere Wirtschaftsgebäude, der Vorgängerbau des heutigen Palas, das Gefängnis. Und gegenüber, an der Nordostseite der mittelalterlichen Burg, diente bis 1836 ein Gebäude als Invalidenhaus. Ab etwa dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts begann im Zuge einer verklärten Burgenromantik des Bürgertums eine rege Bautätigkeit auf der Anlage. Der Brunnen wurde wieder verfügbar gemacht und der Aussichtsturm auf den ehemaligen Bergfried gesetzt. Insgesamt ist diese Konstruktion mehr als doppelt so hoch wie der ursprüngliche Bergfried. Nach dem Ende der Nutzung des Wirtschaftsgebäudes als Gefängnis wurde an seiner Stelle ein neuer Palas gebaut. Dieser wurde im neugotischen Stil der Zeit errichtet, und enthielt z. B. einen Rittersaal. Außerhalb der Burg und Festung, direkt vor der stadtseitigen Mauer, der Nordostkurtine, wurde ein großes Ausflugslokal, die "Berglust", eröffnet, das bis weit ins 20. Jahrhundert bestanden hatte. Im Zweiten Weltkrieg diente die Burg als Flakstellung und die Kasematten wurden teilweise als Luftschutzbunker genutzt. Angloamerikanische Bomber zerstörten 1944 alle auf der Festung vorhandenen Gebäude und die Brücke, lediglich der Turm blieb unversehrt. Brücke und Palas wurden nach dem Krieg in veränderter Form wiederaufgebaut, ein Kiosk kam hinzu. Auch sind bis zum Ende der achtziger Jahre die Festungsmauern wieder verblendet worden. Gegenwärtig erfährt die Burg eine Restaurierung vor allem aufgrund von Wasserschäden. Die Nordostkurtine und das Kiekstattrondell sind schon weitestgehend wieder hergestellt. |
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